ARGENTINIEN IM FOCUS

Mit nachfolgendem Beitrag soll eine dreiteilige Serie als ein knapper Rückblick auf eine wichtige Periode argentinischer Geschichte begonnen werden, die sich im sogenannten cordobazo eindrücklich widerspiegelt. Mit der Veröffentlichung dieses wichtigen Paragraphen  der  jüngeren Geschichte Argentiniens  wird zugleich auf eine Publikation hingewiesen, die demnächst unter dem Titel erscheinen wird: DEUTSCH-ARGENTINISCHE REMINISZENZEN,  Argentinische Politik  - deutsche Diplomatie zu turbulenten Zeiten.

Argentinien nach dem „cordobazo“

Die jüngere Geschichte Argentiniens begann - im Rahmen der nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs  einsetzenden Neuordnung vieler Völker, auch in Lateinamerika. Was Argentinien betrifft, könnte man das Jahr 1946, In welchem Juan Domingo Perón nach einer eher turbulenten Phase der Politik das Ruder des Staates übernahm, im Blick auf die kommende Entwicklung des Landes als einen wichtigen Markierungspunkt betrachten. Eine Generation später befand sich die Nation an der Schwelle zur blutigsten Diktatur, die das Volk in seiner unruhigen Geschichte jemals erlebt hatte. Politische Katastrophen brechen nicht wie ein zerstörendes Unwetter aus heiterem Himmel über ein Volk herein, sondern haben, wie wir wissen,  eine Vorgeschichte. Es gibt „Stationen der Geschichte“ wie wir sie hier einmal nennen wollen, welche die Richtung des Weges anzeigen, auf dem man sich befindet.  Eine solche Station waren die Ereignisse, die man heute als den cordobazo bezeichnet.

Zweifellos bezeichnete der cordobazo einen Wendepunkt der argentinischen Geschichte.  Auf den ersten Blick markierte er die historische  Phase von General Ongania zu General  Lanusse. De facto - könnte man dramatisierend sagen – symnolisierte er den  Umschwung von Perón zu Videla. Einer meiner koreanischen Freunde, der frühere Leiter der Korea Christian Academy, Dr. Won Yong Kang, schrieb einmal ein Buch unter dem Titel „Zwischen Tiger und Schlange“.  In seiner Predigt vom 15.Oktober 1971, dem Tag,  an dem in Südkorea das Kriegsrecht in Kraft trat, erinnerte Dr. Kang im Gottesdienst der Presbyterianischen Kirche von Seoul an die alte asiatische Fabel von einem Mann. der auf seinem Weg durch gefährliches Gelände von einem Tiger angegriffen worden war. Um der Bestie zu entrinnen, sprang der Mann in ein tiefes Brunnenloch. Zu seinem Glück konnte er sich am Ast eines verkrüppelten Baumes, der auf halber Höhe aus der Wand herausragte,  festklammern und so der Wut des Tigers entkommen, der oben vom Brunnenrand fauchend und mit drohend erhobener Pranke auf ihn hinunter starrte. Voller Angst ­blickte der Mann in die Tiefe und überlegte, ob er nicht sicherheitshalber hinabspringen sollte. Doch voller Schrecken sah er auf dem Boden des Brunnens den weit geöffneten Rachen einer großen, giftigen Schlange. Sie wartete nur darauf, ihn zu verschlingen. Eine verzweifelte Situation: oben der Tiger, unten die Schlange! An diese Geschichte mußte ich denken, als ich mich mit der Bedeutung des cordobazo für das argentinische Volk befaßte.

Der „cordobazo“ vom 29. Mai 1969 könnte durchaus als Spiegelbild der damaligen nationalen Situation Argentiniens betrachtet werden, jedenfalls bildete er den Auftakt zum „letzten Gefecht“ des „Peronismus“, der seit dem Sturz des Caudillos im Jahre 1955 mehr oder weniger in den Untergrund verdrängt worden war.  Zugleich kündigte er „ungestümes Wetter“ an, an dessen Ende die gnadenlose Unterdrückung aller bürgerlichen Rechte und Freiheiten durch die harte Hand einer barbarischen Diktatur stehen sollte.

Meine ersten persönlichen Eindrücke vom peronismo gehen auf das Jahr 1972 zurück, als mir bei einem Besuch in Buenos Aires eine Zahnmedizinerin und lutherische Pfarrfrau namens Mercedes vorgestellt wurde, eine sozial außerordentlich engagierte Patriotin. Einer Familie entstammend, die der Sozialpolitik Peróns selbst viel  zu verdanken hatte,  war sie ganz selbstverständlich Mitglied der „Peronistischen Jugend“ und später der Partei geworden - ein klassisches Beispiel, könnte man sagen, für die Jugend eines ganzen Volkes: Die jungen Leute hatten die Inklination zum Peronismus mit der Muttermilch eingesogen und von Kindesbeinen an den Glaubenssatz vernommen: que de Perón abajo todos eramos iguales  (abgesehen von Perón sind alle Menschen gleich), wie es Álvaro Abós in seiner politischen Autobiographie ausdrückte. Das gesamte Leben der Argentinier war von einem Peronismus mythischen Charakters und von einer politischen Kultur geprägt, in deren Mittelpunkt die „Ikone“ Perón stand. Zum Mythos Perón  trug maßgeblich auch Evita bei, die nach ihrem Tode sozusagen zur Heiligen des Landes erhoben worden war. So engagierte sich also  Mercedes in den 60er Jahren mit ganzem Herzen  in einem Kreis von Priestern für die Dritte Welt. Prof. Obermüller von ISEDET hatte sie gebeten, den Besucher in die argentinische „Realität“ einzuführen. In diesem Zusammenhang machte sie mich auch mit dem „Sozialzentrum Albert Schweitzer“ im Hafenviertel der Capitale bekannt. Der ganze Bau, eine einfache Baracke, war der Umgebung gut angepasst und war eher zu armselig und schmutzig als auch nur um ein Grad zu luxuriös ausgefallen. In diesem Zentrum wurde auch Volksschulunterricht gehalten. Die Kinder kamen aus einem Elendsviertel, das sich in der unmittelbaren Nachbarschaft gebildet hatte. Es gab auch einen kleinen Behandlungsraum für gynäkologische Untersuchungen. Die Kartei der Arztpraxis zeigte, dass es dort viele Klienten zu behandeln galt, gebührenfrei, versteht sich. Außerdem gab es  eine öffentliche Dusche, die für 1 Peso benutzt werden konnte; die meisten Leute hatten ja in ihrer schlichten Behausung kein fließendes Wasser und waren auf öffentliche Duschen angewiesen. Man beabsichtigte 1972 im Sozialzentrum einen zahnärztlichen Betreuungsdienst aufzubauen, verfügte jedoch nicht über die notwendige Einrichtung, besass weder einen Behandlungsstuhl noch irgendwelche Ausrüstung. Man wollte zunächst ein Team von (ehrenamtlichen) Zahnärzten bilden und sich dann an „Brot für die Welt“ wenden und um die Finanzierung eines Stuhles bitten. Ich hielt dies für eine sehr sinnvolle Investition und setzte mich dann in Deutschland für eine entsprechende Unterstützung ein.

In einem Brief vom 26.1.73 bedankte sich Mercedes für die Hilfe bei der Beschaffung eines gebrauchten Zahnarztstuhls für das Centro Médico Social Albert Schweitzer – wobei Dr. A. van Soest vom Deutschen Institut für Ärztliche Mission (Difäm) in Tübingen entscheidend mitgeholfen hatte – sowie für die Überweisung einer Geldspende und fügte eine Bemerkung über die politische Entwicklung in Argentinien bei: „Sie werden über die politische Situation in unserem Lande und über die infame Kampagne, welche die Regierung gegen die Volksbewegung, die durch die Nationale Befreiungsfront (eine Allianz zwischen dem Peronismus und anderen politischen Kräften)  repräsentiert wird, im Bilde sein.“ Álvaros Abós‘ Bemerkung:  „der Antiperonismus machte die Jugend zu Peronisten“ entspricht exakt der damaligen Realität.  „Als Führer der Jugend streben wir danach, das Glück des Menschen und die Größe des Vaterlandes und darüber hinaus die Einheit Lateinamerikas erfüllt zu sehen. Gegenwärtig spricht man von der Unterzeichnung des Friedensvertrages mit Vietnam, und es wäre wunderbar, wenn der Mensch damit begänne, sich Gott zu nähern, um den inneren Frieden, der in dieser Zeit so nötig ist, zu gewinnen”, hieß es weiter in Mercedes‘ Brief.

Vier Wochen später berichtete sie: “Ich arbeite politisch auf nationaler Ebene zusammen mit einer Gruppe junger  berufstätiger Frauen. Wir beschäftigen uns mit den Projekten, welche die Regierung der Justitialisten (Justitialistische Befreiungsfront) realisieren will. Auf Peróns Anordnung hin hat die Befreiungsfront als Kandidaten die Doktoren Cámpora für die Präsidentschaft und Solano Lima als Vize aufgestellt.“  Die Frente Nacional Justicialista bildete sich 1972 aus der Partei (Partido Justicialista) unter der Regie des in Madrid befindlichen Ex-Präsidenten Perón und seines in Argentinien agierenden Sachwalters, Héctor J. Cámpora.  Des weiteren zählte zu dem Bündnis die Bewegung für Integration und Entwicklung (MID) unter Anführung des Ex-Präsidenten Frondizi und Rogelios Frigerios; außerdem nahmen drei kleinere Parteien - Partido Conservador Popular unter der Führung von Vicente Solano Lima, der dann unter Cámpora als Vizepräsident agierte, und Partido Popular Cristiano unter  Oscar Allende, sowie die Unión del Pueblo Argentino (Udelpa) unter Horacio Sueldo y Héctor Sandler  - an der Frente teil. Diese Parteien trennten sich am Ende von der Frente Justicialista de Liberación (Frejuli), um die Alianza Popular Revolucionaria zu bilden. Bei der Wahl im März 1973 errang Frejuli satte 50% der Stimmen, während die APR  8% für sich zu verbuchen vermochte.

Mercedes fuhr in ihrem Brief vom Februar 73 fort: „Wir stellen fest, dass die geplanten Arbeitsprojekte vor allen Dingen die Kinder sowie die berufstätigen Frauen, einschließlich der Hausangestellten, im Blick haben. Es handelt sich um großartige Projekte, die jenen der einstigen Eva-Perón–Stiftung vergleichbar sind.” Die Fundación-Eva-Perón wurde während des ersten Mandats des Caudillos (1946-1952) gegründet und von der Präsidentengattin geleitet. Die Opposition hatte stets daran Anstoß genommen, dass sich das Stiftungsvermögen aus „Spenden“ speiste, die unter mildem Druck der Vorsitzenden eingegangen waren.

Am 26.3.73 schrieb Mercedes: „Ich nehme an, dass Sie durch die Presse über den totalen Triumph des Peronismus bei den Wahlen vom 11. März, dem Datum unserer Befreiung, informiert sind. Das Schwierigste steht nun erst bevor, nämlich die Etappe des Wiederaufbaus; unser Ziel ist der christliche nationale Sozialismus, den wir mit Gottes Hilfe erreichen werden.“ Der Enthusiasmus und die Euphorie jener Generation waren grenzenlos. Die Herzen der Studenten schlugen für die Ideale des Peronismus. Die gesamte Mittelklasse war peronistisch. Als 1973 der entscheidende Wahltag kam, war die gesamte argentinische Jugend voll „peronisiert“. Der Peronismus der Jugend und die guerrilla, die montoneros, waren so etwas wie der Schaum auf einer riesigen Woge des Peronismus, Schaum als der geräuschvollste Sektor, der von sich reden machte, ohne jedoch tatsächlich das Zentrum gewesen zu sein. „1960 war Perón für die Jugendlichen ein schlimmes Wort. Damals haben wir uns seinetwegen in unserer Einsamkeit und in unserem Unverstand gebalgt. Zehn Jahre später war er der Prophet der Revolution,“ erinnert sich Álvaro Abós. „Ein Komplex nationaler und internationaler Umstände hatte den Sinneswandel erzwungen. Die kubanische Revolution und die teoria foquista Che Guevaras hatten die Jugend des gesamten Kontinents radikalisiert.  Eine Welle jugendlichen Protests ging um die Welt: die chinesische Kulturrevolution, der Mai 68 in Paris, das II. Vatikanische Konzil, in dessen Gefolge in Lateinamerika die Theologie der Befreiung Wurzeln schlug, welche die Verantwortung einer Kirche des Volkes für die Armen auf ihre Fahnen schrieb, ein Impuls, der sich in der Bewegung der Priester für die Dritte Welt manifestierte“ - dies waren einige der nationalen und internationalen Faktoren, die dazu geführt hatten, dass praktisch die gesamte Jugend des Landes sich um Perón scharte.

Padre Carlos Múgica, einer der „Priester für die Dritte Welt“, sagte später im mexikanischen Exil von der argentinischen Jugend jener Jahre: „Wir haben tiefen Respekt vor den jungen Katholiken, die, in der Überzeugung, dass die friedlichen Möglichkeiten ausgeschöpft worden sind, den Weg der Waffen gewählt haben, dem Beispiel San Martíns und „Che“ Guevara folgend, und für die Befreiung ihrer Länder kämpfen … Wir respektieren zutiefst ihre Option, die dem Glauben an Christus entspringt.  Jesus Christus starb nicht im Bett, Jesus Christus starb am Kreuz, als Opfer einer Verschwörung der Autoritäten seiner Zeit, die ihn mit seiner Botschaft der Befreiung nicht zu ertragen vermochten. So glauben wir und sind  mit Gottes Hilfe und im Bewusstsein unserer Schwäche bereit, vorwärts zu gehen bis zur letzten Konsequenz.“ (El Caso Argentino, Hablan sus Protagonistas, México 1977)

Am 29.3.74 berichtete Mercedes: „Ich fand eine Anstellung im Privatbüro von General Perón … Bald darauf begann ich im Amt der Vizepräsidentin, Frau Perón zu arbeiten, stets im Bereich der Verwaltung, bis man meine Nominierung als Angehörige der Zahnmedizinischen Abteilung des „Instituts der Rentner und Pensionäre“, in dem ich jetzt tätig bin, bewirkte … Sie fragen mich nach der gegenwärtigen Situation des Landes … Die Lage hat sich in letzter Zeit wesentlich verbessert, die Zahl der Arbeitslosen geht täglich zurück, man errichtet in einem beschleunigten Tempo Wohnungen. Sie haben ja selbst beobachtet, welche Tragödie der Wohnungsmangel in ganz Lateinamerika ist … Es besteht ein Dreijahresplan der Regierung, der alle Aspekte berücksichtigt und der termingerecht erfüllt werden wird. Es ist nur zu bedauern, dass es Leute gibt, die, anstatt das Positive zu sehen, lediglich auf die Fehler blicken. Sowohl die Marxisten der Ultralinken als auch die Leute der Ultrarechten beschmutzen den Prozess. Anstatt den Frieden zu suchen, trachten sie nach Krieg … Ich bin davon überzeugt, dass uns die Doktrin des Generals Perón mit ihrer Vision vom „Dritten Weg” einen wichtigen Platz unter den Völkern der Dritten Welt sichern wird.”

In einem Gruß zum Jahreswechsel vom 17.1.77 antwortete Mercedes auf die besorgte Anfrage  des Vf. bezüglich ihres Ergehens noch vollkommen sorglos: „Ich kann Ihnen nur sagen, dass es keinen Anlass für Ihre Besorgnis gibt und dass es mir gut geht … Es ist mir gelungen, mein Leben wieder zu ordnen, ich habe mich verheiratet und habe noch einen dreijährigen Sohn und betrachte mich als sehr glücklich … und obwohl es noch nicht lange her ist, dass ich von der Kirche nichts mehr wissen wollte, hat mir die Lektüre Ihrer Botschaften in den Nachrichten des Ökumenischen Studienwerks in dieser konfliktreichen Zeit spirituell sehr geholfen.”

Es konnte nicht ausbleiben, dass Mercedes als eine Person, die im Privatsekretariat Peróns und der Vizepräsidentin etc. mitgearbeitet hatte, als Camporista denunziert und danach monatelang von Unbekannten telefonisch belästigt wurde. Im Februar 1977 setzte eine verstärkte Welle des Psychoterrors ein, bis hin zu dem Versuch, die einst besonders von Isabelita Perón Protegierte nach bewährtem Muster mit einem Pkw zu überfahren. Mehrere Kollegen aus dem „Ministério de Bien-Estar-Social“, in dem sie tätig war, waren in jenen Wochen ermordet aufgefunden worden. Mitte März kam es in der Hauptstadt zu einer umfassenden Verhaftungsaktion, der vor allem Angehörige des, vormals von López Rega geleiteten, Wohlfahrtsministeriums zum Opfer fielen. Der frühere Rektor der Nationalen Universität in Buenos Aires, Rodolfo Puiggrós, den ich später in seinem  Refugium in Mexico-City besuchte, hat von López Rega behauptet, er sei ein Mann des CIA gewesen. „Die Zentren der weltweiten Spionage hatten die Erfahrung mit Evita. Man mußte Perón eine Anti-Evita an die Seite stellen. Isabelita war schlicht und einfach ein Mittel, dessen sich López Rega bediente, um selbst in das Umfeld Peróns zu gelangen und unersetzbar zu werden. Während wir gegen die Militärdiktatur und für den Sozialismus kämpften, arrangierte sich López Rega mit der CIA und war zweifellos mit den Geheimdiensten des Imperialismus in Verbindung. So sieht die Wahrheit aus.” (Alejandro Dorrego, Victor Azurduy, El Caso Argentino, Hablan sus protagonistas, Editorial Prisma, S.A., Serie América Latina: Los actores, México 1977) In der letzten Märzwoche 1977 erschien Mercedes aus Angst um ihr Leben nicht mehr in ihrem Büro, sondern hielt sich bei Verwandten verborgen. Nach einem verzweifelten Hilferuf, der das ÖSW über einen USA-Reisenden erreichte, wurde der akut Gefährdeten die Einreise in die Bundesrepublik ermöglicht, wo sie Mitte April - ohne die Familie (die später nachkam) – eintraf.

Wie die junge Zahnärztin Mercedes waren  zur Zeit Peróns unzählige junge Leute zunächst entscheidend von der Religion, die ihr „soziales Gewissen“ geweckt hatte, motiviert und fanden sich am Ende in politischen - zum Teil militanten - Bewegungen wieder. So beschreibt es auch Teté Piñero, deren politischer Weg dem der idealistischen Zahnmedizinerin, einschließlich des endlichen Exils, weitgehend ähnlich ist: „Die Botschaft Paulo Freires hatte mein Leben verändert. Es begann nach dem Vaticanum II und nach Medellin, im Gebiet der alten jesuitischen Mission. Im Rahmen der katholischen Kirche hatte unser Engagement begonnen und wir waren nicht mehr weit von dem Augenblick entfernt, an dem wir post-konziliaren Katholiken unserer politischen Verantwortung gewahr wurden. In jenen Tagen lernte ich meinen Mann kennen und im Bewusstsein unseres religiösen und sozialen Auftrags verschrieben wir uns beide dem Kampf um Gerechtigkeit für jene, die immer nur die Brosamen vom Tisch der Herren bekommen hatten. Mein Mann fiel in die Hände der Repression und wurde ermordet. Sieben Monate später begab ich mich mit unserer dreijährigen Tochter ins Exil, ins Nirgendwohin, es hätte Bangkok oder Australien sein können, es war alles einerlei; doch ich landete in Paris und fand schließlich eine Bleibe in der Schweiz. Der Ökumenische Rat der Kirchen öffnete mir seine Tür, ich bekam dort eine Stelle und konnte an der Genfer Universität mein Studium fortsetzen.“

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